Die Geschichte von fairhavn

 

Ich möchte euch gerne eine Geschichte erzählen – Die Geschichte von fairhavn. Sie beginnt in einem kleinen Dorf in Afrika.  

 

 

Nyamirima Village liegt in Uganda inmitten von wunderschönen Kraterseen und beeindruckenden Wäldern. Unweit des Dorfes befindet sich der Kibale Forest Nationalpark, der von Touristen gerne besucht wird, um Schimpansen zu beobachten. Die Natur ist weitgehend unberührt und die Gegend für ihre Natur- und Artenvielfalt bekannt. Aber trotz der Naturreichtümer leben in Nyamirima Village die Ärmsten der Armen. Es ist für uns schwer vorstellbar, in welchen ärmlichen Verhältnissen die Einwohner des Dorfes leben. Die meisten Erwachsenen sind ungebildet, haben nie eine Schule besucht. Sie besitzen zwar ein Stück Land und auch ein Haus, aber das Land, auf dem sie Nutzplanzen für die Familie anbauen, ist zu klein, um die ganze Familie zu ernähren und das Haus ist oft nur eine Lehmhütte mit Grasdach mit zwei kleinen Zimmerchen und das für eine große Familie. Einen richtigen Job, bei dem es ein sicheres Einkommen gibt, hat kaum jemand, weshalb auch das Geld fehlt, um die Kinder in die Schule zu schicken. Statt in einem gemütlichen Bett schlafen viele Kinder auf dem schmutzigen Boden, wenn sie Glück haben auf einer verdreckten Matratze und tagsüber tragen sie zerfetzte Lumpen. Und obwohl die Menschen dort so bitterarm sind, tragen sie eine unglaubliche Lebensfreude in sich, um die wir Europäer sie beneiden können.  

 

Ich habe Nyamirima im Jahr 2015 besucht und wurde so unglaublich herzlich empfangen. Ich bekam Geschenke von Menschen, die nichts haben und trotzdem mit mir teilen wollten, für mich wurde getanzt, gesungen und gelacht, ich wurde von Familien in ihre ärmlichen Hütten eingeladen und durfte einen kurzen Moment an ihrem Leben teilhaben. Gekommen als Fremde – Gegangen als Freundin! Das Dorf Nyamirima, Uganda, Afrika haben mich so beeindruckt, dass ich, wieder zurück in Deutschland, eine tiefe Leere gespürt habe, wie noch nie zuvor. Unser westliches Leben wirkte so verhöhnend, überall fließendes, warmes Wasser, Licht auf Knopfdruck und das Schlimmste, es war für uns alle selbstverständlich, einfach ganz normal. Und hier beginnt die Geschichte von fairhavn.  

 

Direkt nach der Rückkehr gründete ich zusammen mit 8 lieben Menschen einen Kinderhilfsverein (Abaana), um den Kindern des Dorfes die Möglichkeit auf Bildung zu ermöglichen und ihnen die Chance zu geben aus dem Kreislauf der Armut herauszukommen. Parallel dazu beschäftigte ich mich mit Fair Trade. Nicht nur in Nyamirima leben Menschen in solch menschenunwürdigen Verhältnissen. In Indien und Bangladesch, wo der Großteil unserer Kleidung herkommt, werden sie zudem noch ausgebeutet. Die Fabrikarbeiter arbeiten 14 Stunden täglich für gerademal 1$, was vorne und hinten nicht zum (Über)leben reicht. Unbezahlte Überstunden, Kinderarbeit, lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, keine soziale Absicherung bei Krankheit, Umgang mit hochgiftigen Chemikalien, die ungefiltert in die Flüsse der Dörfer gelangen und ganze Gemeinden krank machen, kommen noch dazu und sind anscheinend so normal, wie bei uns das fließend warme Wasser....  

 

Auf der Suche nach Alternativen stellte ich ganz schnell fest, dass es heute gar nicht mehr schwierig ist, moderne und dennoch moralisch vertretbare Kleidung zu kaufen. Ganz im Gegenteil, es gibt eine Vielzahl kleiner, junger Labels, die sich darauf spezialisiert haben und wirklich viel Herzblut in ihre Mode stecken. Transparente Labels, die es meiner Meinung nach viel mehr verdient haben, gekannt und gekauft zu werden, als die ganz großen. Namen brauch ich hier wohl nicht nennen, die kennt ja eh jeder. Aber was ist mit den Namen Gary Mash, bleed, Fellherz, Róka Fair Clothing, Zerum, …, wenn ich es schaffe, durch meinen kleinen Laden diese Marken etwas bekannter zu machen und ich den Leuten zeigen kann, dass Fair Trade nicht langweilig, sondern individuell und ausgefallen sein kann, dann hat sich für mich fairhavn bereits gelohnt.  

 

Unsere Generation Y wird oft als faul verschrien, weil ein Standard-8-16-Job uns nicht glücklich macht, als unrealistisch, weil wir andere Vorstellungen und Ideale haben, als anspruchsvoll, weil wir nicht mit dem zufrieden sind, wie es ist, und als Träumer, weil wir denken, wir könnten die Welt verändern … Ich bin stolz ein Teil dieser Generation zu sein, bin stolz ein Träumer zu sein, bin stolz dabei zu helfen, die Welt zu verändern – nicht im Ganzen, aber Stück für Stück. Jeder Tag, an dem ein Kind in Nyamirima zur Schule gehen kann, jedes fair gehandelte verkaufte T-Shirt in meinem Laden, jeder Kunde, der den Laden mit seinem neuen Lieblingsstück verlässt, durch das ein Arbeiter in Indien seine Kinder ernähren kann, sind für mich kleine Träume, die in Erfüllung gehen.  

 

Ich möchte Vertrauen beim Einkaufen schaffen, das Vertrauen, dass die Kleinbauern und Näherinnen einen gerechten Lohn für ihre harte und wertvolle Arbeit erhalten, das Vertrauen, das uns die großen Firmen nicht geben können oder wollen. Man kann es immer besser machen und ich bin nicht perfekt, aber ich fange an und ich habe meine Träume. Einer davon ist fairhavn!